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Gleitzeit

Eldo Hell
Belonio Benefit-Experte
Mitarbeiter die in Gleitzeit arbeiten
Inhalt
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Gleitzeit ist ein Arbeitsmodell, bei dem Beschäftigte ihren Arbeitsbeginn innerhalb einer festgelegten Grenze selbst wählen können. Dadurch lässt sich der Arbeitstag besser an private Termine, den Arbeitsweg oder persönliche Bedürfnisse anpassen. Bestimmte Zeiten, in denen Mitarbeitende anwesend sein müssen, können weiterhin festgelegt werden. Eine solche Gleitzeitregelung kann für Beschäftigte und für Unternehmen interessant sein. Wichtig ist jedoch, dass die vertraglich festgelegten Arbeitszeiten und die gesetzlichen Grenzen eingehalten werden. Die Gleitzeitvereinbarung legt nur fest, wann und wie die Beschäftigungszeit verschoben werden darf. Sie kann im Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung festgehalten werden. Bevor der Arbeitstag geplant wird, sollte vorher geprüft werden welche Regeln im jeweiligen Betrieb gelten und welche Zeiten vertraglich vereinbart wurden. So entsteht ein verständlicher Rahmen für die flexible Gestaltung des Arbeitstags.  

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gleitzeit ist ein flexibles Arbeitszeitmodell, das Mitarbeitern innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen den Beginn und das Ende ihrer täglichen Arbeitszeit selbst bestimmen lässt.
  • Es gibt verschiedene Modelle wie einfache Gleitzeit, Gleitzeit mit Kernarbeitszeit und qualifizierte Gleitzeit, die unterschiedliche Grade an Flexibilität bieten.
  • Vorteile für Arbeitnehmer sind die bessere Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben sowie die Möglichkeit, die Arbeitszeit an persönliche Präferenzen anzupassen.

Gleitzeit: Rechtliche Regelungen

Es gibt kein eigenes Gesetz, dass die Gleitzeit in Deutschland regelt. Maßgeblich entscheidend sind das Arbeitszeitgesetz, der Arbeitsvertrag oder tariflichen Vereinbarungen. Nach dem § 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) darf die tägliche Arbeitszeit grundsätzlich acht Stunden betragen. Eine Verlängerung auf zehn Stunden ist dann möglich, wenn der gesetzliche Ausgleich eingehalten wird. Außerdem müssen Ruhepausen beachtet werden. Eine tägliche Kernarbeitszeit kann durch die Regelungen festgelegt werden. Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht, was die Gestaltung der Beschäftigungszeit angeht. Deshalb wird die Gleitzeitregelung oft in der Betriebsvereinbarung geregelt. Die Gleitzeitvereinbarung sollte den Umgang mit Überstunden und Minusstunden klar bestimmen. Ein Arbeitszeitkonto kann dafür genutzt werden. Entscheidend ist, dass die täglichen Arbeitszeiten eingehalten werden. 

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Vorteile

Gleitzeit bietet mehr Flexibilität im Alltag. Wer den Arbeitsbeginn innerhalb eines festgelegten Rahmens verschieben kann, kann zum Beispiel Stoßzeiten im Verkehr vermeiden oder private Termine leichter wahrnehmen. Beschäftigte können ihre Arbeitsstunden besser an Aufgaben und Anforderungen anpassen. Eine gute Regelung für Gleitzeit schafft klare Grenzen und verhindert Missverständnisse. Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeit besser verteilen, ohne dass der Alltag völlig unplanbar wird. Praktisch ist, dass die Arbeitszeit nicht immer zur gleichen Uhrzeit beginnen muss. Ein Arbeitszeitkonto hilft dabei Über- oder Minusstunden besser zu überblicken. Betriebliche Regelungen können außerdem festlegen, wie Zeitguthaben ausgeglichen wird. Wichtig ist, dass Regelungen vertraglich nachvollziehbar sind und alle Beteiligte wissen, wann Anwesenheit erforderlich ist. So kann Gleitzeit die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern und den Arbeitsalltag übersichtlicher und planbarer machen. 

Verschiedene Modelle

Es gibt drei grundlegend verschiedene Arten der Gleitzeit:

  • Einfaches Modell: die im Arbeitsvertrag festgelegte täglichen Arbeitsstunden kann hier durch die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen flexibel abgeleistet werden. Start und Ende der täglichen Arbeitszeit sind also ihnen überlassen, solange sie die Stundenzahl erfüllen.
  • Gleitzeit mit einer Kernarbeitszeit: überwiegend in Teams mit Kundenkontakt ist es wichtig, dass die Angestellten zu einer bestimmten Zeit anwesend sind. Auch für die Teamarbeit kann es wichtig sein, dass alle zu bestimmten Stunden gleichzeitig vor Ort sind. Diese Zeit wird Kernarbeitszeit genannt, und sie kann von Unternehmen zu Unternehmen verschieden sein. Die restlichen Stunden außerhalb der Kernarbeitszeit können die Mitarbeitenden verteilen, wie sie möchten.
  • Qualifizierte Gleitzeit: hierbei handelt es sich nicht um ein einziges Gleitarbeitszeitmodell, sondern um mehrere. Diese Regelung ermöglicht für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen die größtmögliche Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeiten. Möglich ist unter anderem die freie Einteilung der wöchentlichen, monatlichen oder auch jährlichen Arbeitszeit.

Die Modelle der qualifizierten Gleitzeit müssen meist mit dem Unternehmen individuell abgeklärt werden.

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Modelle der qualifizierten Gleitzeit

Je nachdem, in welcher Branche das Unternehmen tätig ist, bieten sich verschiedene, teils flexible Arbeitszeitmodelle an:

  • Gleitzeit in Verbindung mit Funktionszeit: hier entscheidet das Team gemeinsam, welche Kollegen und Kolleginnen zu bestimmten Zeiten das Team vertreten und die Abteilung funktionsfähig halten.
  • Das Ampelkonto: hier setzen Unternehmen einen Rahmen fest, in denen die Angestellten Überstunden und Minusstunden ansammeln dürfen. Steht die Ampel auf Grün (bei bis zu +/- 20 Stunden), kann der oder die Angestellte seine Arbeitszeit frei einteilen. Bei Gelb (zwischen +/- 20 und +/- 30 Stunden) ist die freie Einteilung nur noch nach Absprache möglich, und bei Rot (über +/- 30 Stunden) muss das Arbeitskonto wieder ausgeglichen werden.
  • Das Jahresarbeitszeitkonto: pro Jahr muss eine bestimmte Arbeitszeit abgeleistet werden; mehr Vorgabe gibt es bei diesem Gleitzeitmodell nicht. Es ermöglicht also die größtmögliche Flexibilität, erfordert aber auch viel Eigenverantwortung. Das Arbeitszeitmodell ist sowohl für Vollzeit als auch für Teilzeit geeignet, und der monatliche Lohn bleibt ungeachtet der tatsächlichen Arbeitszeiten stets gleich.
  • Das Lebensarbeitszeitkonto: auf diesem Konto können Mitarbeitende sowohl Zeit als auch Geld ansparen: Boni, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, aber auch Urlaubstage und Überstunden können hier angesammelt werden. Der Verwendungszweck ist unterschiedlich – manche Angestellte nutzen das Konto zur Erweiterung ihrer Elternzeit, andere machen ein Sabbatical oder gehen früher in den Ruhestand.

Sieht die Vereinbarung der flexiblen Arbeitszeitgestaltung das vor, können Arbeitnehmer auch sogenannte Gleittage als Ausgleich nehmen. Sie bauen ihre Überstunden ab, indem sie sich nach Absprache mit dem Unternehmen ganze Tage freinehmen.

Fazit

Gleitzeit ist eine moderne und flexible Form der Arbeitszeitgestaltung. Sie gibt Beschäftigten die Möglichkeit selbst zu bestimmen, wann der Arbeitstag beginnt. Damit das Modell gut funktioniert braucht es klare Regeln. Eine Gleitzeitvereinbarung sollte deshalb festhalten, welche Zeiten gelten, wie Zeitguthaben ausgeglichen wird und welche Grenzen beachtet werden müssen. Wichtig ist die festgelegten Arbeitszeiten und auch Ruhepausen einzuhalten. Der Betriebsrat kann bei der Gestaltung wichtiger Bedingungen helfen. Wenn die flexible Zeiteinteilung verständlich und fair gestaltet wird, kann es für Mitarbeitende Vorteile im Alltag bringen. Entscheidend sind eine klare Grundlage, gute Planung und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Arbeitszeit.  

Eldo Hell
Eldo Hell versorgt die Leser:innen im Journal und Glossar mit neuen Inhalten: Was tut sich in der HR-Welt? Wie lässt sich Lohn am besten gestalten? Als studierter Germanist und Philosoph interessieren ihn besonders die gesellschaftlichen Auswirkungen und Möglichkeiten einer progressiven Lohngestaltung.
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