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Fehlzeiten

Eldo Hell
Belonio Benefit-Experte
Abwesenheit von Mitarbeitern in einem Großraumbüro
Inhalt
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 Fehlzeiten sind wichtige Kennzahlen in einem Unternehmen. Sie zeigen, wie häufig Mitarbeitende ihrer Arbeit nachgehen können. Dabei spielt nicht nur Krankheit eine Rolle. Auch Stress, private Belastung oder fehlende Motivation können zur Abwesenheit führen. Laut dem Fehlzeiten-Report der AOK sind Atemwegserkrankungen, Muskel- und Skeletterkrankungen sowie psychische Erkrankungen häufige Gründe für krankheitsbedingte. Gleichzeitig zeigt der Fehlzeiten-Report, dass ein gutes Arbeitsklima, Gesundheitsangebote und eine wertschätzende Führung die Zahl der Fehlzeiten verringern können. Unternehmen sollten deshalb umgehend handeln, wenn sie erste Warnsignale zeigen und die Fehlzeiten immer höher werden. Auch bedingte Belastungen durch hohen Arbeitsdruck oder Personalmangel dürfen nicht unterschätzt werden. Eine frühzeitige Unterstützung kann eine Verlängerung von Krankheitsphasen verhindern und die Gesundheit der Beschäftigten nachhaltig fördern.  

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fehlzeiten umfassen Abwesenheiten von Mitarbeitern, die nicht vertraglich geregelt sind, wobei zwischen krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit und einstellungsbedingtem Absentismus unterschieden wird.
  • Ursachen für Absentismus sind oft im Arbeitsumfeld zu finden, während krankheitsbedingte Fehlzeiten durch höhere Hygienestandards, ergonomische Arbeitsplätze und betriebliches Eingliederungsmanagement reduziert werden können.
  • Eine wertschätzende Unternehmenskultur mit Einbeziehung der Mitarbeiter und Transparenz kann die Motivation steigern und somit die Fehlzeiten reduzieren.

Ursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten

Es gibt verschiedene Krankheiten, die in Wellen auftreten und oft mehrere Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter gleichzeitig betreffen. Dazu zählen:

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  • Erkältungen
  • Grippe
  • Corona
  • Magen-Darm-Erkrankungen 

Die Fehlzeiten sind hier meist kurz, da die meisten der Beschäftigten sind nach einigen Tagen oder längstens zwei Wochen wieder an ihrem Arbeitsplatz, sodass diese krankheitsbedingten Fehlzeiten sich im Rahmen halten. Weitere Ausfälle, deren Dauer oft frühzeitig feststeht, können durch Arbeitsunfälle zustande kommen. Schwieriger wird es, wenn die Krankheit psychischer Natur sind, etwa:

  • Burn-out
  • Depression
  • Sucht

Hier sind die Behandlungen oft langwieriger Natur, und ihr Ausgang ist ungewiss. Die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fallen häufig langfristig aus. Gleiches gilt für schwere und lebensbedrohliche Erkrankungen, etwa für eine Krebserkrankung.

Laut einer repräsentativen Umfrage der AOK, geht in dessen Fehlzeiten Report 2023 basierend auf den Arbeitsunfähigkeitsmeldungen der etwa 15,1 Millionen erwerbstätigen Mitglieder der AOK in Deutschland im Jahr 2022 hervor, dass deutlich mehr Arbeitnehmende Fehltage wegen psychischer Beschwerden melden. Vor allem die Corona Pandemie 2019 hat Auswirkungen auf den Anstieg der Atemwegserkrankungen. So melden sich Arbeitnehmende bei der Diagnose im Schnitt durchschnittlich 7,1 Tage krank. Das sind deutliche Veränderungen der Fehltage im Vergleich zu Vorjahren. Einer Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit aus Januar 2024 ist zu entnehmen, dass der Anteil der Krankschreibungen 2023 in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durchschnittlich bei 6,76 Prozent liegt. Vor der Pandemie im Jahr 2018 lag der Anteil bei 4,28 Prozent. 

Ursachen für einstellungsbedingte Fehlzeiten

Im Gegensatz zu Krankheiten oder Unfällen ist Absentismus meist auf betriebliche Gründe respektive das Arbeitsumfeld zurückzuführen. Die Auswirkungen können vielfältig sein, und folgende Gründe können dazu beitragen:

  • unangenehme Arbeitsbedingungen
  • über- oder unterfordernde Aufgaben
  • Mobbing
  • Perspektivlosigkeit
  • Fehlende Identifikation mit dem Unternehmen
  • das Gefühl, weder wahr- noch ernst genommen zu werden
  • schlechte Bezahlung

Wer in seinem Unternehmen hohe Fehlzeiten feststellt, ohne dass die Arbeitsunfähigkeit bei den fehlenden Mitarbeitenden einwandfrei nachgewiesen ist, sollte die Arbeitsbedingungen gründlich prüfen. Es besteht die Möglichkeit, dass ungünstige Arbeitsumgebungen, übermäßiger Stress oder unzureichende Ressourcen den Krankenstand in die Höhe treiben.

Eine sorgfältige Analyse der Unternehmenskultur, des Arbeitspensums und der Arbeitsbelastung kann dazu beitragen, potenzielle Ursachen für die vermehrten Abwesenheiten zu identifizieren. Durch gezielte Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsumfelds und zur Förderung der Mitarbeitergesundheit lässt sich nicht nur der Krankenstand reduzieren, sondern auch die allgemeine Arbeitszufriedenheit und Produktivität steigern.

So lassen sich Fehlzeiten senken

Gegen einen hohen Krankenstand gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Wichtig ist zunächst, herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Arbeitsunfähigkeit handelt oder um Absentismus. Bei nachgewiesenen Erkrankungen oder Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Unfällen gibt es verschiedene Ansätze:

  • höhere Hygienestandards im Unternehmen, die die Ansteckungsgefahr minimieren
  • gesunde Mahlzeiten in der Kantine
  • betriebliche Sport- oder Fitnessangebote beziehungsweise Massagen
  • bei körperlich anstrengender Arbeit Schulungen für schonende Bewegungsabläufe
  • ergonomische Einrichtung am Arbeitsplatz
  • stärkere Schutzmaßnahmen und Regeln zur Vermeidung von Arbeitsunfällen 

Kehren einzelne Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter nach einer langen krankheitsbedingten Fehlzeit zurück in den Beruf, erleichtern Unternehmen ihnen mit dem betrieblichen Eingliederungsmanagement den Neustart im Job. Die Belastung eines Arbeitnehmers oder einer Arbeitnehmerin wird sukzessive gesteigert, da diese durch die krankheitsbedingte Abwesenheit noch nicht von Beginn an auf dem Vorkrankheitsniveau angekommen ist. Das Eingliederungsmanagement kümmert sich um eine behutsame Wiedereingliederung der Beschäftigten. Auch die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG), dass nach § 1 Abs. 1 die Sicherheit und den Gesundheitsschutz sicherstellen soll, tragen dazu bei, die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen und Belastungen und Fehlzeiten zu verringern. 

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Fehlzeiten aufgrund Motivationsschwierigkeiten

Eine hohe Fehlzeit, etwa einer einzelnen Mitarbeiterin oder eines einzelnen Mitarbeiters, die sich durch einzelne Tage ohne Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aufsummiert, scheint ein Motivationsproblem zugrunde zu liegen. Oft erfolgte hier bereits die innere Kündigung, der häufig auch später die reale Kündigung aufgrund der betrieblichen Umstände folgt. Unternehmen, in denen das häufig vorkommt, haben eine hohe Fluktuation. Betrifft dies Verhalten gleich mehrere Personen, sollte das als Alarmzeichen verstanden werden. Mögliche Reaktionen sind die folgenden:

  • anonymisierte Umfragen, in denen die Meinung jeder Arbeitnehmerin und jedes Arbeitnehmers zum Arbeitsumfeld abgefragt wird, inklusive der Bitte um Bewertung der Unternehmensführung, der Teamleitungen, der Stimmung und der Zusammenarbeit
  • Anbringen eines Briefkastens für anonyme Beschwerden, Feedbacks, Verbesserungsvorschläge
  • Auswertung der Reaktionen und Identifizierung der Probleme
  • Überarbeitung der Unternehmenswerte, um die Missstände zu beheben
  • Umsetzung der dringend benötigten Neuerungen
  • Transparenz hinsichtlich der Veränderungen, um die Mitarbeitenden mit ins Boot zu holen
  • Schulungen zu mehr Achtsamkeit bei unguten Verhaltensweisen, die sich über lange Zeit eingeschliffen haben
  • Ansprechpartner für die Belegschaft, an die sie sich bei Problemen mit der Arbeit, den Kolleginnen und Kollegen sowie mit den Vorgesetzten wenden können

In einem Arbeitsumfeld, in dem die Belegschaft mit einbezogen und wertschätzend behandelt wird, ist der Krankenstand und somit auch Fehlzeiten meist niedrig. Wer seine Mitarbeitenden in Unternehmensentscheidungen mit einbezieht, ihnen ein angenehmes Arbeitsumfeld ermöglicht und sie auf einem passenden Level fördert und fordert, steigert ihre Motivation und reduziert die Fehlzeiten.

Fazit

Fehlzeiten sind ein wichtiger Hinweis auf die Arbeitsbedingungen in einem Unternehmen. Wer die Ursachen der Abwesenheiten kennt und rechtzeitig Maßnahmen ergreift, kann die Zahl der Abwesenheit langfristig senken. Dazu gehören offene Kommunikation, Gesundheitsförderung und eine Unternehmenskultur, in der sich Mitarbeitende wohl und wertgeschätzt fühlen. Führungskräfte sollten aufmerksam sein und erste Anzeichen von Überlastungen frühgenug erkennen können. So lassen sich viele Ausfälle vermeiden und die Zufriedenheit im Team steigern. Ein gesundes Umfeld stärkt nicht nur die Mitarbeitenden, sondern trägt auch zum langfristigen Erfolg eines Unternehmens bei. 

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Eldo Hell versorgt die Leser:innen im Journal und Glossar mit neuen Inhalten: Was tut sich in der HR-Welt? Wie lässt sich Lohn am besten gestalten? Als studierter Germanist und Philosoph interessieren ihn besonders die gesellschaftlichen Auswirkungen und Möglichkeiten einer progressiven Lohngestaltung.
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