Gruppen begleiten uns fast überall. Sobald mehrere Menschen gemeinsam handeln, entstehen Beziehungen, Erwartungen und bestimmte Verhaltensweisen. Genau hier knüpft die Gruppendynamik an. Sie beschreibt, wie sich Menschen gegenseitig beeinflussen und wie dadurch ein eigenes Verhalten der Gruppe entstehen kann. Eine Gruppe ist daher mehr als nur eine Ansammlung einzelner Personen. Schon Kurt Lewin beschäftigte sich mit solchen Prozessen und gilt als eine wichtige Gründungsfigur der modernen Gruppenforschung. Seine Arbeit zeigt, dass Führung, Kommunikation und die jeweilige Situation das Verhalten von Gruppen stark beeinflussen können. Das Thema ist bis heute relevant, da gute Zusammenarbeit nicht nur von einzelnen Fähigkeiten abhängt, sondern auch davon, wie Menschen miteinander umgehen und gemeinsame Ziele verfolgen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Gruppendynamik beschreibt die wechselseitige Beeinflussung von Gruppenmitgliedern, die zu Veränderungen in Struktur und Prozessen innerhalb der Gruppe führt.
- Kurt Lewin prägte den Begriff und untersuchte, inwiefern Führungsstile die Leistung und das Verhalten in Gruppen beeinflussen.
- Die Entwicklung einer Gruppe durchläuft typische Phasen: Forming, Storming, Norming, Performing und Adjourning.
- Die Gruppendynamik kann sich sowohl positiv als auch negativ auswirken, wobei die Führung eine wichtige Rolle bei der Förderung einer positiven Dynamik spielt.
Der Begriff der Gruppendynamik
Gruppendynamik bezeichnet die Prozesse und Veränderungen, die innerhalb sozialer Gruppen entstehen. Dazu gehören beispielsweise Kommunikation, Rollenverteilung, gemeinsame Regeln, Konflikte, Zusammenhalt, Einfluss und Führung. Menschen reagieren in Gruppen nicht unabhängig voneinander. Das Verhalten von einer Person kann andere beeinflussen und dadurch neue Reaktionen auslösen. Kurt Lewin prägt den Begriff in der wissenschaftlichen Forschung und betrachtet eine Gruppe als ein eigenes soziales System. Lewin hat gemeinsam mit einigen Kollegen zu Beginn der 1940er-Jahre ein Experiment mit einer kleinen Gruppe durchgeführt. Er untersuchte, inwieweit sich die Arbeitsleistung und auch das allgemeine Verhalten der Gruppenmitglieder veränderte, wenn der Führungsstil variierte. Dafür prägte er den Begriff Gruppendynamik und legte den Grundstein für die moderne Forschung zum Erziehungsstil und zum Führungsstil.
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Rollen in der Gruppendynamik
In allen Gruppen nehmen die Mitglieder bestimmte Rollen ein und zeigen gruppendynamische Verhaltensweisen. Diese werden beispielsweise wie folgt bezeichnet:
- Anführer/in
- Organisator/in
- Vermittler/in
- Unterstützer/in
- Arbeiter/in
- Mitläufer/in
Wie sich die Rollen verteilen, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa dem Charakter der einzelnen Personen, ihrem Zusammenhang mit den anderen Gruppenmitgliedern und einer sinnvollen Aufgabenverteilung, die sich nach den individuellen Talenten richtet.
Ein eingespieltes Team kann reibungslos funktionieren: Alle Teammitglieder kennen ihren Platz und ihre Aufgaben. Verlässt allerdings jemand die Gruppe oder kommt neu hinzu, kann sich die Dynamik der Gruppe ändern. Plötzlich fehlt eine wichtige Stelle, etwas die der tonangebenden Person, oder es gibt Konkurrenz der anderen Teammitglieder um eine bestimmte Rolle. Es entstehen Konflikte, bis die Gruppe schließlich zu neuen gemeinsamen Normen findet.
Phasen der Gruppendynamik
In jeder Gruppe laufen bestimmte Prozesse ab. Die Gruppe formt und entwickelt sich durch die Verteilung von Rollen und Aufgaben. Es werden bestimmte Normen und Regeln erstellt, Verhaltensweisen festgelegt und die Machtverhältnisse geklärt. Manchmal werden neue Mitglieder aufgenommen oder alte verlassen die Gruppe. Ab und zu kommt es zur gemeinsamen Interaktion mit anderen Gruppen.
Es gibt fünf Phasen, die alle Gruppen, losgelöst von ihrer individuellen Dynamik, durchlaufen::
- Phase 1: forming – die Gruppe oder das Team wird gebildet.
- Phase 2: storming – in dieser stürmischen Zeit kann es zu Konflikten und Kämpfen um die Positionen kommen.
- Phase 3: norming – die Gruppe einigt sich auf gewisse Normen und findet sich in den Rollen zurecht; es entsteht ein gewisses Zusammenhaltsgefühl.
- Phase 4: performing – die Gruppe ist nun zu produktiver Arbeit imstande und versucht, die zuvor gesetzten Ziele zu erreichen.
- Phase 5: adjourning – zwischenzeitlich wird es immer wieder nötig, die Strukturen und Prozesse innerhalb der Gruppe zu überprüfen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn es zu einer Veränderung der Gruppe und damit auch im Verhalten einzelner Gruppenmitglieder kommt.
Wie oft die fünfte Phase auftritt, ist von der jeweiligen Situation abhängig: Gruppen können sich durch interne und externe Einflüsse verändern.
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Positive und negative Gruppendynamik
Alle Mitglieder einer Gruppe können sowohl auf positive als auch auf negative Weise durch gruppendynamische Strömungen beeinflusst werden. Gut laufende Teams sind produktiver und motivierter, die Laune ist im Allgemeinen gut und man versteht sich untereinander. Bei negativer Gruppendynamik treten eher Konflikte und Konkurrenzdenken auf und Streit entsteht. Die Motivation lässt nach, die Leistungsfähigkeit sinkt und die Ziele werden verfehlt. Der Misserfolg verschlimmert die Abwärtsspirale. Es ist Aufgabe der Anführerin oder des Anführers in der Gruppe, negativen Entwicklungen entgegenzuarbeiten und eine positive Gruppendynamik zu wahren.
Fazit
Gruppendynamik ist ein Bestandteil des sozialen Lebens. Sie erklärt, warum Menschen innerhalb einer Gruppe anders handeln als alleine und weshalb Zusammenarbeit sowohl motivieren als auch schwierig sein kann. Rollen, Regeln, Kommunikation, Führung und persönliche Erwartungen beeinflussen, wie sich eine Gruppe entwickelt. Die Forschung von Kurt Lewin hat dafür wichtige Grundlagen geschaffen. Gruppen bestehen nicht nur aus einzelnen Personen. Konflikte können so besser verstanden und gemeinsame Aufgaben gezielter bearbeitet werden. Gruppenmitglieder sollten offen kommunizieren, Verantwortung übernehmen und unterschiedliche Sichtweisen respektieren. So kann aus verschiedenen Personen ein funktionierendes Team entstehen, dass gemeinsame Ziele erfolgreich erreicht.