Die Zukunftskonferenz ist eine Veranstaltung, die auf die Beteiligung breiter Personengruppen und Organisationen setzt, wenn es um Ideen, Vorschläge und Entscheidungen für die Zukunft geht. Sie kann in verschiedenen Rahmen stattfinden: 2022 etwa hat die Europäische Union die Zukunftskonferenz abgehalten. Beteiligt waren Bürgerinnen und Bürger aus allen Ländern der Europäischen Union. Aber auch weit kleinere Kreise können sich der Methode bedienen, etwa Länder, Städte, Regionen, Hochschulen, Behörden oder Unternehmen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Eine Zukunftskonferenz ist eine Veranstaltung, die breite Personengruppen zur gemeinsamen Ideenfindung und Entscheidungsfindung für die Zukunft einer Organisation oder Region zusammenbringt.
- Ihr Ziel ist es, die Beteiligung und Eigenverantwortung zu fördern, einen gemeinsamen Nenner für Herausforderungen zu schaffen und praktische Handlungsansätze zu entwickeln.
- Der Ablauf umfasst die Analyse der Vergangenheit und Gegenwart, die Entwicklung von Visionen und Zielen sowie die Planung konkreter Maßnahmen, oft in wechselnden Kleingruppen.
Herkunft und Entwicklung der Methode
Die Zukunftskonferenz geht auf den US-amerikanischen Organisationsberater Marvin Weisbord zurück, der das Format in den 1980er Jahren entwickelte. Gemeinsam mit Sandra Janoff baute er das Konzept weiter aus und beschrieb es im Standardwerk Future Search. Der englische Begriff Future Search bezeichnet bis heute das Originalformat, während Zukunftskonferenzen im allgemeinen Sprachgebrauch zu einem weiten Sammelbegriff für viele Workshop-Formate geworden sind. Weisbords Ansatz stützt sich auf Erkenntnisse aus Sozialpsychologie und Gruppendynamik. Ziel ist, dass eine große Gruppe gemeinschaftliche Werte entdeckt und auf dieser Basis eine geteilte Vision für die Zukunft entwickelt.
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Die Ziele der Zukunftskonferenz
Eine Veranstaltung, die sich mit den Herausforderungen für die Zukunft der Veranstaltenden befasst, hat wichtige Ziele.
- Sie fördert die Beteiligung und die Eigenverantwortung von Bürgerinnen und Bürgern bzw. Mitarbeitenden.
- Sie soll das Vertrauen in die Kraft der Organisation bzw. der Region/der Stadt/des Landes stärken und die Teilnehmenden motivieren, sich einzubringen.
- Sie erarbeitet eine gemeinsame Basis, auf der die Herausforderungen zusammengetragen und betrachtet werden können.
- Sie sammelt verschiedene praktische Handlungsansätze.
Dank der verschiedenen Blickwinkel wird sichergestellt, dass keine wichtigen Punkte vergessen werden.
So läuft eine Konferenz ab
Es werden Vertreterinnen und Vertreter aller Bevölkerungsgruppen bzw. Abteilungen zur Teilnahme eingeladen. Wichtig ist dabei, dass verschiedene Interessen vertreten werden. Der Ablauf sieht folgendermaßen aus:
- Im ersten Schritt wird ein Blick in die Vergangenheit geworfen: Welche Entwicklungen hat es bislang gegeben? Waren sie positiver oder negativer Natur?
- Der Ist-Status und aktuelle Trends werden analysiert. Auch hier ist es wichtig, dass sowohl positive als auch negative Entwicklungen berücksichtigt werden.
- Es folgt eine Bewertung der aktuellen Situation.
- Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen entwickeln Visionen, die für sie wünschenswert sind.
- Es werden kollektive Wünsche und Ziele herausgearbeitet. Wichtig ist, dass der Fokus hier nicht auf Konflikten wegen Differenzen liegen soll, sondern auf den Gemeinsamkeiten.
- Ideen zu Handlungsansätzen werden gesammelt und konkrete Maßnahmen geplant.
Alle Schritte werden in einzelnen Arbeitsgruppen durchgeführt. Meist handelt es sich um 60 bis 80 Vertreterinnen und Vertreter der Region oder der Organisation, die in Gruppen von acht Leuten aufgeteilt werden. Vor jeder einzelnen Phase werden die Gruppen neu durchmischt, sodass möglichst viele Sichtweisen zum Tragen kommen. In jeder Phase wechseln die Teilnehmenden dabei zwischen der Arbeit in den Kleingruppen und dem Austausch im Plenum. In den Kleingruppen entstehen die Ideen, im Plenum werden sie zusammengeführt. Gerade dieser Wechsel sorgt dafür, dass am Ende eine von allen getragene Basis steht. Im Nachhinein setzen die Verantwortlichen die von der Mehrheit gewünschten Maßnahmen um.
Für wen eignet sich eine Zukunftskonferenz?
Das Konzept eignet sich für Organisationen und Gemeinschaften, die viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen müssen. Typischerweise nehmen 60 bis 80 Teilnehmende teil, die die ganze Bandbreite der Perspektiven abbilden sollen. Sinnvoll ist das Format vor allem bei komplexen Fragen, die keine einfache Lösung haben und bei denen viele Beteiligte mitgenommen werden müssen. Eine Konferenz dauert in der Regel zwischen zwei und fünf Tagen, abhängig von Thema, Teilnehmerzahl und Zielsetzung. Unternehmen, Behörden, Hochschulen oder ganze Regionen nutzen das Konzept, um Strategien zu entwickeln und die Beteiligten von Anfang an einzubinden.
Vorteile der Zukunftskonferenz
Wer die Zukunft aktiv mitplant, identifiziert sich stärker mit den Ergebnissen und trägt Entscheidungen eher mit. So entsteht ein Gefühl der Verantwortung und der Zusammengehörigkeit. Außerdem wird so das Denken über gewohnte Grenzen hinaus gefördert. Viele Ideen mögen zunächst unkonventionell erscheinen, sind aber einen zweiten Blick wert.
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Die EU-Zukunftskonferenz
Für die Zukunftskonferenz der Europäischen Union war viel Vorarbeit nötig: Die Veranstaltung war weit größer als andere derartige Konferenzen.
- Es wurden mehrsprachige digitale Plattformen eingerichtet, um den Bürgerinnen und Bürgern den Prozess des Ideenaustausches und der Einreichung von Anträgen zu erleichtern.
- Die Ideen und Anträge wurden über den Zeitraum der Veranstaltung gesammelt, analysiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
- Überall in den Ländern der Europäischen Union fanden Veranstaltungen statt – in Anwesenheit, virtuell oder in hybrider Form.
- Repräsentative europäische Bürgerforen reichten Vorschläge ein und erörterten die verschiedenen Themen, die von sozialer Gerechtigkeit über wirtschaftliche Fragen und Umweltschutz bis hin zur Digitalisierung reichten.
Die Europäische Kommission, der Rat und das Europäische Parlament sind dazu verpflichtet, den Bürgerinnen und Bürgern innerhalb der EU Gehör zu schenken und deren Wünsche und Empfehlungen zu berücksichtigen. Die Zukunftskonferenz war eine Methode, dieser Pflicht nachzukommen.
Fazit
Zukunftskonferenzen sind ein bewährtes Mittel, um viele Menschen an Entscheidungen für die Zukunft zu beteiligen. Der von Marvin Weisbord entwickelte Ansatz setzt darauf, dass eine große und vielfältige Gruppe gemeinsame Werte entdeckt und daraus eine geteilte Vision entwickelt. Statt an Konflikten zu arbeiten, rückt das Format die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund und schafft so eine Basis, die von allen getragen wird.
Für Gemeinschaften, Regionen und Unternehmen liegt der größte Wert darin, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Anfang an einbezogen fühlen. Wer an den kollektiven Visionen mitwirkt, übernimmt eher Verantwortung für deren Umsetzung. Genau diese Beteiligung macht das Konzept zu einem wirksamen Werkzeug, wenn komplexe Themen nicht von oben verordnet, sondern breit getragen werden sollen.