Durch die zunehmend schnelle und komplexe Arbeits- und Lebenswelt ist Wellbeing zu einem wichtigen Begriff geworden. Menschen verbringen oft mehr Zeit auf der Arbeit und sind digitalen sowie sozialen Anforderungen stark ausgesetzt. Wohlbefinden wird so nicht nur zu einem individuellen Ziel, sondern auch zu einem strategischen Ansatz, der psychische und physische Voraussetzungen schafft. In diesem Artikel erfährst du mehr über Wellbeing, was das Wort überhaupt bedeutet, welche Einflussfaktoren es gibt, welche Relevanz es in der Arbeitswelt hat und wie Maßnahmen, aber auch Grenzen aussehen könnten.
Das Wichtigste in Kürze:
- Wellbeing betrifft die psychische und physische Ebene
- Employee Wellbeing kann die Leistungsfähigkeit und die Produktivität steigern und die Fehlzeiten reduzieren
- Zielgerichtete Maßnahmen reichen von Ergonomie bis zu psychologischer Unterstützung
- Strategiesche Förderung verlangt Maßnahmen, Messung und gegenseitige Verantwortung
Begriffe und Definitionen
Der Begriff „Wellbeing“ lässt sich nicht genau einem Ursprung zuordnen und auch eine bestimmte Definition gibt es nicht. Im englischen Sprachraum wird „well-being“ schon früh als Zustand von Wohl und Gesundheit verwendet. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Forschungsfokus jedoch verändert. In der Forschung wird oft zwischen einem hedonischen und einem eudaimonischen Konzept unterschieden:
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- Hedonisches Wellbeing: Dieses Konzept fokussiert sich auf das Erleben von positiven Emotionen, Freude und Lebenszufriedenheit. („Wie fühle ich mich?“)
- Eudaimonisches Wellbeing: Hier liegt der Schwerpunkt auf persönlichem Wachstum, Sinn, Selbstverwirklichung und dem Funktionieren der Welt („Wie funktioniere ich?“).
Beide Perspektiven ergänzen sich gegenseitig und verdeutlichen, dass Wohlbefinden nicht nur „Glück“ ist, sondern auch „Gelingen“.
Die Begriffe Wohlbefinden, Gesundheit und Lebensqualität unterscheiden sich zwar, sind aber oft identisch. Gesundheit wird beispielsweise von der Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO) als Zustand eines vollständigen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens definiert.
Das Wohlbefinden wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die gegenseitig wirken. Ein ganzheitlicher Blick auf die verschiedenen Faktoren ist deshalb essenziell. Die wichtigsten sind:
- Persönlichkeit
- Genetik
- Lebensereignisse
- Soziale Kontakte
- Umwelt
- Arbeit
- Kultur
Wohlbefinden entsteht also aus einem Zusammenspiel von persönlichen, sozialen, kulturellen und strukturellen Einflüssen. Kein Faktor kann isoliert betrachtet werden. Sie wirken gegenseitig und bestimmen, wie Menschen sich fühlen, funktionieren und ihr Leben gestalten. Wer also viel Zeit im Job verbringt, sollte die Möglichkeit haben, sich zu regenerieren.
Wohlbefindenin der Arbeitswelt – Employee Wellbeing
Warum ist das Thema Wellbeing für Organisationen überhaupt relevant? Wenn sich Mitarbeitende wertgeschätzt fühlen und das Wohlbefinden hoch ist, führt dies zu einer geringeren Abwesenheit, höherer Produktivität und damit zu besseren Ergebnissen.
Man kann zudem das Employee Wellbeing in verschiedene Dimensionen unterteilen:
- Soziales/Zwischenmenschliches: Eine gute Beziehung zu Kolleginnen und Kollegen sowie zu Führungskräften führt dazu, dass sich Mitarbeitende wertgeschätzt fühlen, was sich auf die Arbeitsweise auswirkt.
- Mentales/Psychisches: Stressbewältigung, Sinn-Erleben und mentale Gesundheit zählen zu den Kernkomponenten, die beachtet werden sollten.
- Berufliches: Arbeitsbedingungen, Autonomie und Entwicklungsmöglichkeiten beeinflussen das Wohlbefinden auf der Arbeit
- Physisches: Körperliche Gesundheit, Bewegung und Erholung sind unerlässlich für ein ganzheitliches Wohlbefinden
Zwischen Privat- und Berufsleben besteht eine starke Wechselwirkung. Stress im beruflichen Umfeld beeinträchtigt so beispielsweise das psychische und physische Wellbeing im Privatleben. Umgekehrt können private Faktoren die berufliche Produktivität mindern. Organisationen müssen daher ein Verständnis für das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden entwickeln und strategische Maßnahmen einführen.
Maßnahmen und Strategien
Die Förderung von Wellbeing erfordert ein ganzheitliches Konzept mit individuellen und organisatorischen Strategien. Auf persönlicher Ebene stärken Achtsamkeit, Dankbarkeit, Bewegung, Schlaf und gesunde Ernährung das mentale und körperliche Wohlbefinden. Selbstreflexion, Wertearbeit und das Erleben von Sinn führen dazu, dass man sich erfüllt fühlt und motivierter bleibt und handelt. Organisationen können durch Feedbackkultur, Gesundheits- und Sozialangebote sowie regelmäßige Mitarbeiterbefragungen das Wohlbefinden gezielt steigern. Beschäftigte verbringen zudem weniger Zeit im Stressmodus, wenn flexible Arbeitszeiten angeboten werden. Wichtig ist, diese Maßnahmen zielgerichtet zu verankern, kontinuierlich zu messen und an unterschiedliche Bedürfnisse anzupassen. Jedoch müssen auch Mitarbeitende lernen, ihre Arbeitszeit bewusst einzustellen, um ihr Wohlbefinden zu fördern. Wenn individuelle Praktiken und betriebliche Strukturen gegenseitig wirken, entsteht ein ganzheitlicher Ansatz, der das Wohlbefinden stärkt, Motivation fördert und die Produktivität nachhaltig steigert.
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Herausforderungen, Grenzen und kritische Reflexion
Der Begriff Wellbeing ist zwar sehr beliebt, der Umgang damit jedoch nicht immer ganz einfach. So existiert beispielsweise keine einheitliche Definition von Wellbeing, was zur Komplexität des Begriffs und Methodikproblemen führen kann. Viele Organisationen verbringen viel Zeit und Ressourcen mit kurzfristig Wohlfühlaktionen, ohne jedoch die strukturellen Ursachen wirklich zu verändern. Hier entwickelt sich schnell die Gefahr von oberflächlichen Wohlfühlmaßnahmen und das sogenannte „Wellbeing-Washing“ entsteht. Zudem haben Mitarbeitende unterschiedliche Bedürfnisse, Lebenslagen und Vorstellungen von Wellbeing. Ein Programm kann für den einen sehr hilfreich und passend sein, bei einem anderen jedoch das Gegenteil bewirken. Kurzfristige Programme zeigen zwar Effekte, es fehlt jedoch häufig an langfristigen Wirkungen und Verankerungen im Organisationsalltag. Trotz dieser oder weiterer Herausforderungen wie Widerständen im Management oder bei Mitarbeitenden, sowie möglicherweise begrenzten Ressourcen, ist es wichtig, trotzdem weiterhin dranzubleiben, auch wenn die langfristige Wirkung nicht sofort sichtbar ist.
Praxisbeispiele und Fallstudien
Ein Fallbeispiel zeigt ein Unternehmen, das ein Wellbeing-Programm eingeführt hat. Mitarbeitende erhielten neben den bereits vorhandenen flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten auch Gesundheitsangebote und regelmäßige Feedback-Meetings. Da Menschen einen großen Teil ihres Lebens im Beruf verbringen, ist das Arbeitsumfeld entscheidend für das Wohlbefinden. Der Einsatz von konkreten Programmen zeigte nach einem Jahr eine messbare Verbesserung, sowie eine Steigerung der Produktivität.
Checkliste – Leitfaden für Umsetzung
Im Folgenden gibt es ein Beispiel für eine konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man Wellbeing im Unternehmen starten kann:
- Bestandsaufnahme: Erfasse den aktuellen Zustand des Wohlbefindens der Mitarbeitenden. Dies kann beispielsweise durch Mitarbeiterbefragungen entstehen.
- Bedarfsanalyse: Identifiziere Bereiche, in denen es möglicherweise Verbesserungspotenzial gibt.
- Zieldefinition: Lege klare Ziele zur Steigerung von Wellbeing fest.
- Strategieentwicklung: Entwickle ein Konzept mit individuellen und organisatorischen Maßnahmen, die helfen, das Ziel zu erreichen.
- Implementierung: Starte konkrete Aktionen. Dies könnte beispielsweise ein Achtsamkeitstraining, flexible Arbeitsmodelle oder Gesundheitsprogramme sein.
- Messung und Monitoring: Lege Kennzahlen fest und messe diese regelmäßig. Hierunter fallen beispielsweise der Krankenstand oder die Fluktuation.
- Evaluation und Anpassung: Analysiere die Ergebnisse, lerne daraus und passe sie, falls nötig, durch Maßnahmen an.
- Verankerung und Management: Stelle sicher, dass das Thema Wellbeing strategisch im Unternehmen verankert wird und nicht nur ein einmaliger Trend ist.
Außerdem gibt es Do’s and Don’ts, die beachtet werden sollten:
| Do’s | Dont’s |
| mentales und körperliches Wohlbefinden gleichwertig beachten | symbolische Maßnahmen ohne strukturelle Verankerung |
| klar und glaubwürdig kommunizieren | die unterschiedlichen Bedürfnisse ignorieren |
| Partizipation fördern | |
| die Wirkung messen |
Ausblick und Fazit
Das Thema Wellbeing wird zukünftig stärker in den Fokus von Organisationen und ihren Beschäftigten rücken, vor allem, weil Produktivität, Gesundheit, und Attraktivität eng miteinander verbunden sind. Unternehmen, die das Thema zielgerichtet angehen, können nicht nur das individuelle physische und psychische Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden verbessern, sondern auch ihre Produktivität steigern. Zugleich bleibt zu beachten, dass eine echte Veränderung Zeit braucht und nur dann funktioniert, wenn es ein ganzheitliches Konzept gibt. Dafür braucht es konkrete Maßnahmen, kontinuierliche Messungen und echte Unterstützung durch Führung und Unternehmenskultur. Aber auch Mitarbeitende müssen lernen, ihre Prioritäten bewusst einzustellen, um eine gute Balance zu schaffen. Abschließend kann man sagen: Wer das Wohlbefinden seiner Mitarbeitenden ernst nimmt, schafft eine Win-Win-Situation. Wellbeing ist also kein kurzfristiger Trend, sondern eine strategische Investition in die Zukunft.