Quiet Quitting – die Angst der Unternehmen und wie man sie besiegt
Schild mit Quiet Quitting
Emily Purnell
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Quiet Quitting – die Angst der Unternehmen und wie man sie besiegt

Schild mit Quiet Quitting

Der Begriff “Quiet Quitting” (stille Kündigung) stürmt aktuell die Medien. Aber was bedeutet das eigentlich und welche noch viel größere Bewegung steckt dahinter? Ist dieser Sinneswandel gerechtfertigt und wie kann man als Unternehmen dagegen ankämpfen? Benötigt es überhaupt einen Kampf? 

Quiet Quitting – die große Angst des Unternehmens?

In einem TikTok Video erzählt der New Yorker Ingenieur Zaid Khan, dass er über den Begriff “Quiet Quitting” gestolpert ist. Er erklärt auch, welche Idee dahintersteckt. Das Video ging daraufhin viral und schon am nächsten Tag berichteten die großen Medien darüber. Wie kann ein Begriff so mächtig sein, dass sich nun Unternehmen auf der ganzen Welt davor fürchten? Das Video löst eine Bewegung in Amerika aus, die jetzt auch in Deutschland zum Diskussionsthema wird. Welcher Wert muss dem beigemessen werden, dass sich sogar ein generationsübergreifender Sinneswandel in der Arbeitnehmerwelt breit macht? 

Was ist die Definition von „Quiet Quitting“?

Khan beschreibt es als “quitting the idea of going above and beyond”. Es geht um die Idee, sich von den Erwartungen über das normale Maß hinausgehen zu müssen, zu verabschieden. Damit ist der von oben kommende Druck gemeint, der von der Selbstverständlichkeit geprägt wird, täglich die Extrameile zu laufen. Man löst sich also von der Bereitschaft zu regelmäßigen Überstunden und zusätzlichen positionsübergreifenden Aufgaben und macht genau das, wofür man eingestellt und bezahlt wird: Dienst nach Vorschrift.

In dem Video wendet sich Khan direkt an den Zuschauer und sagt, dass der Wert des Menschen nicht von seiner Produktivität und seiner Bereitschaft definiert wird. Die Arbeit ist nicht das Leben – und dennoch ist es so ein großer Bestandteil im Alltag. Unser Job formt unser alltägliches Leben und unsere tägliche Laune. Die richtige Ausführung ist also wichtig, um ein glückliches Leben führen zu können. Aber wie sieht eine solche richtige Ausführung aus?

Warum ist Quiet Quitting die große Angst der Unternehmen?

Die Antwort ist einfach: Quiet Quitting ist für Unternehmen deshalb so bedrohlich, weil es oft unbemerkt bleibt und verheerende Auswirkungen haben kann. Mitarbeiter, die „innerlich gekündigt“ haben und ausschließlich Dienst nach Vorschrift absolvieren, sind weniger produktiv, weniger engagiert und können so das gesamte Team und letztendlich die Leistung des Unternehmens negativ beeinflussen. Schlimmer noch, sie können eine Atmosphäre der Unzufriedenheit und Apathie schaffen, die sich auf andere Mitarbeiter überträgt.

Wie kann man Quiet Quitting effektiv bekämpfen?

Um die stille Kündigung effektiv bekämpfen zu können, müssen Unternehmen den Fokus auf die Mitarbeiterzufriedenheit und das Engagement ihrer Mitarbeiter legen. Einige Möglichkeiten dazu sind:

  • Die Förderung einer offenen und transparenten Kommunikationskultur, in der Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihre Meinung gehört und geschätzt wird.
  • Die Schaffung eines positiven Arbeitsumfeldes, das Flexibilität und Work-Life-Balance fördert.
  • Die Anerkennung und Wertschätzung von Leistungen der Mitarbeiter durch regelmäßiges Feedback und angemessene Entlohnung.

Diese und weitere Maßnahmen können dazu beitragen, das Quiet Quittings einzudämmen und eine gesunde und motivierende Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Denn letztendlich sind es die Arbeitnehmer, die die Arbeit leisten und ein Unternehmen zum Erfolg führen. Und wenn diese glücklich und engagiert sind, ist die Wahrscheinlichkeit von Quiet Quitting deutlich geringer.

Quiet Quitting – die große Angst des Unternehmens oder doch die logische Schlussfolgerung?

Der Ursprung und die Verbreitung von Quiet Quitting

Die Wurzeln des „Quiet Quittings“ sind auch schon vor dem TikTok des Ingenieurs Zaid Khantief von 2022 bekannt gewesen. Sie sind in der menschlichen Psychologie und den Dynamiken des modernen Arbeitsplatzes verankert. Obwohl der Begriff relativ neu ist, ist das zugrundeliegende Phänomen schon seit langer Zeit präsent. Es ist ein stummer Hilferuf, eine Reaktion auf Frustration, zu viel Mehrarbeit und Überstunden sowie Ausdruck von Demotivation am Arbeitsplatz.

Die genaue Verbreitung ist allerdings schwierig zu quantifizieren, da ein Quiet Quitting der Definition nach oft unerkannt bleibt. Aber Studien und Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass es ein weit verbreitetes Problem ist, das fast jede Branche betrifft.

Die Bedeutung von Quiet Quitting in persönlichen Beziehungen

„Quiet Quitting“ beschränkt sich nicht nur auf den Arbeitsplatz. Es kann sich auch in unseren persönlichen Beziehungen manifestieren, wenn wir uns emotional zurückziehen und auf Autopilot schalten, anstatt aktiv an der Beziehung zu arbeiten. Genau wie am Arbeitsplatz kann auch in Beziehungen eine Atmosphäre der Unzufriedenheit und Apathie entstehen, die schwer zu durchbrechen ist.

Die Auswirkungen von Quiet Quitting auf das Arbeitsleben und die Unternehmenskultur

Die Auswirkungen von Quiet Quitting sind tiefgreifend und weitreichend. Es kann die Produktivität und Effizienz am Arbeitsplatz stark beeinträchtigen und zu einem allgemeinen Mangel an Engagement und Kreativität führen. Darüber hinaus kann es die Unternehmenskultur schädigen und zu einer toxischen Arbeitsumgebung führen, in der Unzufriedenheit und Gleichgültigkeit gedeihen.

Insgesamt stellt Quiet Quitting eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer sowie für den Gesamterfolg eines Unternehmens dar. Es ist daher entscheidend, dass Unternehmen Strategien entwickeln, um dieses Problem anzugehen und eine unterstützende, motivierende und wertschätzende Unternehmenskultur zu fördern.

Die Bedeutung des „Quiet Quittings“ während und nach der Pandemie

Die weltweite Corona-Pandemie hat das Arbeitsleben grundlegend verändert und stellenweise ein „neues Normal“ geschaffen. Sie hat aber nicht nur die Art und Weise, wie wir arbeiten, verändert, sondern auch die Bedeutung des „Quiet Quittings“ in den Vordergrund gerückt.

Die Rolle der Systemrelevanz von Jobs im Zusammenhang mit Quiet Quitting

Während der Pandemie kristallisierten sich die systemrelevanten Jobs heraus. Jobs ohne Qualifizierung, wie Paketzusteller:innen und Supermarktaushilfen, gewannen ein großes Maß an Wertschätzung. Gleichzeitig hinterließen sie auch Arbeitnehmende, die den Sinn ihrer Arbeit hinterfragten. Gedankengänge, wie “Wenn meine Arbeit nicht systemrelevant ist, sind dann meine täglichen Bemühungen überflüssig?” kamen häufig vor. Haben sich die Erwartungen und der damit eng umwobene Druck der Gesellschaft verändert? 

Die veränderte Wahrnehmung von Arbeit und ihr Einfluss auf das Phänomen des Quiet Quittings

Mit dem Aufkommen von Home-Office und flexiblen Arbeitsmodellen hat sich unsere Wahrnehmung von Arbeit verändert. Für manche war es eine willkommene Veränderung, für andere eine Herausforderung. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen, was zu erhöhtem Stress und Burnout führen kann. In solchen Situationen kann „Quiet Quitting“ eine Art Schutzmechanismus sein, um mit der veränderten Arbeitsrealität umzugehen. Lange Zeit wurde vor der Pandemie das Überengagement vorausgesetzt, täglich die Extrameile zu laufen, gar zu rennen und deutliche Mehrarbeit zu leisten. Erst durch den Lockdown und jetzt durch die Arbeitnehmerbewegung wird diese Voraussetzung Stück für Stück ausgelöscht, bis sie nur noch ein Wunschdenken des Arbeitgebers sein könnte. Aber genau diese Extrameile und die Bereitschaft, die Extrameile auf sich zu nehmen, steht für Wachstum, auf das ein Unternehmen angewiesen ist. Was es also braucht, ist ein Ansatz, der die Freizeit und Interessen des Beschäftigten respektiert und gleichzeitig eine solche Bereitschaft beibehält, aufbaut und fördert. Ein Kompromiss also, bei dem beide Seiten als Gewinner hervorgehen. 

Strategien zur Bewältigung des „Quiet Quittings“

Das Phänomen des „Quiet Quittings“ kann eine echte Herausforderung für Unternehmen darstellen, aber es gibt bewährte Strategien, die dabei helfen können, dieses Problem zu bekämpfen und eine gesunde, engagierte Arbeitskultur zu fördern.

So sehen Sieger aus

Im Prinzip geht es um eine klarere Kommunikation. Was sind die persönlichen Ziele des Mitarbeitenden? Was sind die Ziele des Unternehmens? Wie kann man diese vereinigen? Um aber vor allem das Interesse an den unternehmerischen Zielen zu steigern, müssen die Mitarbeitenden glücklich in ihrer Position sein. Meist geht es dann gar nicht mehr um die Ausführung, sondern um die Reaktion von oben. Bekommt man das Gefühl, dass die eigene Arbeit überflüssig ist, verliert man die Motivation daran, diese gut zu erledigen. Wie kann man also das Gefühl der Überflüssigkeit in jedem Fall ausschließen und wie kann man die Bereitschaft, die manchmal so wichtige Extrameile zu laufen, wieder hervorrufen? Folgende Fragen sollten sich gestellt werden: 

  • Wird jeder Einzelne für das, was er täglich leistet, angemessen bezahlt? Betrachten Sie dabei auch die aufgewendete Zeit, das eingesetzte Engagement und die bestehende Bereitschaft des Einzelnen mit ein! 
  • Wird jeder Einzelne wertgeschätzt und kommt diese Wertschätzung auch bei dem Individuum an? Wird genug Anerkennung gegenüber dem Arbeitnehmenden gezeigt? 
  • Wird der Einsatz regelmäßig honoriert? 
  • Kommt von oben genug Feedback, um den Einzelnen zu bestätigen, zu fördern und zu lenken?

Eine Möglichkeit, Wertschätzung am Arbeitsplatz deutlich zu machen, ist über Mitarbeiterbenefits. Wichtig ist hierbei eine Palette an verschiedenen Benefits anzubieten, dass für jedes Individuum etwas dabei ist. Jeder sollte einen Nutzen aus dem Angebot ziehen können. Das bedeutet, dass attraktive Vorteile kreiert werden sollten, von denen Bürogänger und Homeofficeliebhaber gleichwertig profitieren können.

Steuerfreier Sachbezug – Der beliebteste Benefit

Ein möglicher Ansatz zur Wertschätzung ist über steuerfreie Sachbezüge. Hier können Warengutscheine, Mitgliedschaften und Sachgeschenke steuer- und abgabefrei an die Mitarbeitenden verteilt werden, solange diese den Wert von 50 Euro pro Monat pro Mitarbeitenden nicht überschreiten. Der große Vorteil des Benefits liegt in der Individualität. Hier kann selbst ausgesucht werden, wofür der Freibetrag bis zu 50 Euro eingesetzt wird.

Wir müssen also nicht gegen die ausgelöste Bewegung des “Quiet Quittings” ankämpfen. Was es braucht, sind offene Kommunikationen und Ansätze, die persönliche und unternehmerischen Ziele miteinander vereint. Dabei spielt Wertschätzung und Anerkennung eine wesentliche Rolle und beeinflusst die Ausübung und Einstellung der Arbeitsweise.

Von quiet zu loud. Vom inneren Abhaken zur transparenten Arbeitskultur. 

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