Quiet Quitting – die große Angst der Unternehmen und wie man sie besiegt

Der Begriff “Quiet Quitting” stürmt aktuell die Medien. Aber was bedeutet eigentlich Quiet Quitting und welche noch viel größere Bewegung steckt dahinter? Ist dieser Sinneswandel gerechtfertigt und wie kann man als Unternehmen dagegen ankämpfen? Benötigt es überhaupt einen Kampf? 

Quiet Quitting – die große Angst des Unternehmens oder doch die logische Schlussfolgerung?

In einem TikTok Video erzählt der New Yorker Ingenieur Zaid Khan, dass er über den Begriff “Quiet Quitting” gestolpert ist. Er erklärt auch, welche Idee dahintersteckt. Das Video ging daraufhin viral und schon am nächsten Tag berichteten die großen Medien darüber. Wie kann ein Begriff so mächtig sein, dass sich nun Unternehmen auf der ganzen Welt davor fürchten? Das Video löst eine Bewegung in Amerika aus, die jetzt auch in Deutschland zum Diskussionsthema wird. Welcher Wert muss dem beigemessen werden, dass sich sogar ein generationsübergreifender Sinneswandel in der Arbeitnehmerwelt breit macht? 

Khan beschreibt es als “quitting the idea of going above and beyond”. Es geht um die Idee, sich von den Erwartungen über das normale Maß hinausgehen zu müssen, zu verabschieden. Damit ist der von oben kommende Druck gemeint, der von der Selbstverständlichkeit geprägt wird, täglich die Extrameile zu laufen. Man löst sich also von der Bereitschaft zu regelmäßigen Überstunden und zusätzlichen positionsübergreifenden Aufgaben und macht genau das, wofür man eingestellt und bezahlt wird.

In dem Video wendet sich Khan direkt an den Zuschauer und sagt, dass der Wert des Menschen nicht von seiner Produktivität und seiner Bereitschaft definiert wird. Die Arbeit ist nicht das Leben – und dennoch ist es so ein großer Bestandteil im Alltag. Unser Job formt unser alltägliches Leben und unsere tägliche Laune. Die richtige Ausführung ist also wichtig, um ein glückliches Leben führen zu können. Aber wie sieht eine solche richtige Ausführung aus?

Während der Pandemie kristallisierten sich die systemrelevanten Jobs heraus. Jobs ohne Qualifizierung, wie Paketzusteller:innen und Supermarktaushilfen, gewannen ein großes Maß an Wertschätzung. Gleichzeitig hinterließen sie auch Arbeitnehmende, die den Sinn ihrer Arbeit hinterfragten. Gedankengänge, wie “Wenn meine Arbeit nicht systemrelevant ist, sind dann meine täglichen Bemühungen überflüssig?” kamen häufig vor. Haben sich die Erwartungen und der damit eng umwobene Druck der Gesellschaft verändert? 

Lange Zeit wurde vor der Pandemie das Überengagement vorausgesetzt, täglich die Extrameile zu laufen, gar zu rennen. Erst durch den Lockdown und jetzt durch die Arbeitnehmendenbewegung wird diese Voraussetzung Stück für Stück ausgelöscht, bis sie nur noch ein Wunschdenken des Arbeitgebers sein könnte. Aber genau diese Extrameile und die Bereitschaft, die Extrameile auf sich zu nehmen, steht für Wachstum, auf das ein Unternehmen angewiesen ist. Was es also braucht, ist ein Ansatz, der die Freizeit und Interessen des Arbeitnehmenden respektiert und gleichzeitig eine solche Bereitschaft beibehält, aufbaut und fördert. Ein Kompromiss also, bei dem beide Seiten als Gewinner hervorgehen. 

So sehen Sieger aus

Im Prinzip geht es um eine klarere Kommunikation. Was sind die persönlichen Ziele des Mitarbeitenden? Was sind die Ziele des Unternehmens? Wie kann man diese vereinigen? Um aber vor allem das Interesse an den unternehmerischen Zielen zu steigern, müssen die Mitarbeitenden glücklich in ihrer Position sein. Meist geht es dann gar nicht mehr um die Ausführung, sondern um die Reaktion von oben. Bekommt man das Gefühl, dass die eigene Arbeit überflüssig ist, verliert man die Motivation daran, diese gut zu erledigen. Wie kann man also das Gefühl der Überflüssigkeit in jedem Fall ausschließen und wie kann man die Bereitschaft, die so wichtige Extrameile zu laufen, wieder hervorrufen? Folgende Fragen sollten sich gestellt werden: 

  • Wird jeder Einzelne für das, was er täglich leistet, angemessen bezahlt? Betrachten Sie dabei auch die aufgewendete Zeit, das eingesetzte Engagement und die bestehende Bereitschaft des Einzelnen mit ein! 
  • Wird jeder Einzelne wertgeschätzt und kommt diese Wertschätzung auch bei dem Individuum an? Wird genug Anerkennung gegenüber dem Arbeitnehmenden gezeigt? 
  • Wird der Einsatz regelmäßig honoriert? 
  • Kommt von oben genug Feedback, um den Einzelnen zu bestätigen, zu fördern und zu lenken?

Eine Möglichkeit, Wertschätzung am Arbeitsplatz deutlich zu machen, ist über Mitarbeiterbenefits. Wichtig ist hierbei eine Palette an verschiedenen Benefits anzubieten, dass für jedes Individuum etwas dabei ist. Jeder sollte einen Nutzen aus dem Angebot ziehen können. Das bedeutet, dass attraktive Vorteile kreiert werden sollten, von denen Bürogänger und Homeofficeliebhaber gleichwertig profitieren können.

Steuerfreier Sachbezug – Der beliebteste Benefit

Ein möglicher Ansatz zur Wertschätzung ist über steuerfreie Sachbezüge. Hier können Warengutscheine, Mitgliedschaften und Sachgeschenke steuer- und abgabefrei an die Mitarbeitenden verteilt werden, solange diese den Wert von 50 Euro pro Monat pro Mitarbeitenden nicht überschreiten. Der große Vorteil des Benefits liegt in der Individualität. Hier kann selbst ausgesucht werden, wofür der Freibetrag bis zu 50 Euro eingesetzt wird.

Wir müssen also nicht gegen die ausgelöste Bewegung des “Quiet Quittings” ankämpfen. Was es braucht, sind offene Kommunikationen und Ansätze, die persönliche und unternehmerischen Ziele miteinander vereint. Dabei spielt Wertschätzung und Anerkennung eine wesentliche Rolle und beeinflusst die Ausübung und Einstellung der Arbeitsweise.

Von quiet zu loud. Vom inneren Abhaken zur transparenten Arbeitskultur. 

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