Midi- und Minijob-Grenze 2022 – Was Sie wissen müssen

In Deutschland arbeiten Millionen von Beschäftigten in einem Minijob oder auch einem Midijob. Sie können sich nun über Neuerungen in diesem Bereich freuen. Was sich alles ändern wird, was man dabei beachten muss und warum es teils auch heftige Kritik an den Beschlüssen gibt, das klären wir hier.

Mit der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns war es Anfang des Jahres keine Überraschung, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ankündigte, auch die Minijob-Grenze 2022 anpassen zu wollen. Die Gründe für diese besondere Jobform können ganz unterschiedlich sein, doch letztlich bieten sie gewisse steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Vorteile, sowohl für die Beschäftigten als auch für den Arbeitgeber.

Minijob und Midijob erklärt

Nach den jetzigen Regelungen ist es so, dass im Rahmen eines Minijobs oder fachlich ausgedrückt einer geringfügigen Beschäftigung, monatlich bis zu 450 Euro regelmäßig verdient werden können und darauf keine Einkommensteuer gezahlt werden muss.
Auch der Arbeitgeber kann die notwendigen Sozialversicherungsabgaben in einem vereinfachten Verfahren entrichten und hat dadurch Vorteile. Bei einem Midijob geht es hingegen um etwas höhere Einkünfte, nämlich zwischen bisher 450 und 1.300 Euro. Diese müssen zwar vom Arbeitnehmenden normal versteuert werden, aber auch in diesem Bereich gibt es einen verringerten Satz für die Sozialabgaben, der einen kleinen Vorteil mit sich bringen kann.

Minijob-Grenze 2022 und der Mindestlohn

Doch was hat und was wird sich nun verändern? Bereits zu Beginn dieses Jahres wurde der gesetzliche Mindestlohn für alle Beschäftigungsformen von 9,60 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde angehoben. In einem nächsten Schritt folgte ab Juli die nächste Anhebung des Mindestlohns auf 10,45 Euro. Bereits im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung standen allerdings Bestrebungen, den Mindestlohn noch früher und deutlicher anzuheben, nämlich auf zwölf euro pro Stunde. Ab dem 01.10.2022 gilt dann die erhöhte Entlohnung. Die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung hat bereits berechnet, dass hiervon rund 8,6 Millionen Menschen profitieren werden.

Die Änderungen zum Oktober sind also wirklich grundlegend: Zunächst einmal sind ein großer Teil der geringfügig Beschäftigten auch von der Erhöhung des bundeseinheitlichen Mindestlohns betroffen. Dieser erhöht sich ab Oktober 2022 von 10,45 Euro auf zwölf euro pro Stunde brutto und muss ab dann mindestens pro Stunde auch gezahlt werden – unabhängig von der Branche in der man tätig ist. Natürlich gibt es auch weiterhin Abweichungen und höhere Mindestlöhne in bestimmten Berufen. Diese behalten ihre Gültigkeit. 

Was und warum ändert sich bei der Minijob-Grenze 2022?

Damit nun nicht ein großer Teil der Minijobber durch die höhere Bezahlung unbemerkt über die Minijob-Grenze von 450 Euro kommt, wird als zweite Änderung auch noch diese Einkommensgrenze angehoben. Nach Jahren des Stillstands erhöht sie sich von 450 auf 520 Euro. Lag man vorher beispielsweise unter der alten Grenze von 450 Euro und hat dafür pro Stunde immer den vorherigen Mindestlohn von 10,45 Euro verdient, dann musste man für die 450 Euro rund 43 Stunden arbeiten. Würde man nun einfach 43 Stunden weiterhin arbeiten und zwölf euro Stundenlohn erhalten, dann läge man mit 516 Euro über dem alten Grenzbetrag. Dies passiert aber nicht, denn durch die Anpassung darf man jetzt 520 euro steuer- und abgabenfrei verdienen, ohne Arbeitsstunden zu verlieren.

Weitere Änderungen bei der Minijob-Grenze 2022 bei Mehrverdienst

Eine weitere Änderung, die sehr lukrativ für Minijobber sein kann, ist die gesetzlich definierte und festgelegte Regelung zu unvorhersehbaren Überschreitungen der Verdienstgrenzen. Dadurch ist es jetzt erlaubt zwei Monate im Jahr bei anfallender Mehrarbeit beispielsweise bis zu 1.040 Euro im Monat zu verdienen und das ohne die Vorteile eines Minijobs zu verlieren. Kommt es beispielsweise bei der Arbeit zu einem krankheitsbedingten Ausfall eines Kollegen oder einer Kollegin und benötigt der Arbeitgeber schnell jemanden, der das ausgleicht, dann könnte man dafür künftig auch als Minijobber einspringen und damit zwangsläufig etwas mehr verdienen. Dies ist zumindest in zwei Monaten im Jahr und das weiterhin steuer- und sozialabgabenfrei möglich. Aber Achtung: Urlaubsbedingte Ausfälle sind hiervon ausgenommen, da diese planbar sind.

Auch Midijobs werden angepasst

Aber auch bei den sogenannten Midijobs werden die allgemeinen Verdienstgrenzen angehoben. Diese sind ebenfalls im Bereich der Sozialabgaben bevorzugt, wodurch man als Arbeitnehmer oder als Arbeitnehmerin effektiv etwas weniger Abzüge hat, wenn man in diesem Bereich verdient. Die neue Höchstgrenze liegt dort ab Oktober bei 1.600 Euro statt vorher 1.300 Euro.

Allerdings wurde von der Bundesregierung im Rahmen des dritten Entlastungspakets bereits beschlossen, dass man die Grenze sogar auf 2.000 Euro brutto anheben möchte, als Entlastung der kleineren Einkommen. Das Paket benötigt allerdings noch die Zustimmung des Bundesrats und muss gestzlich fixiert werden.

Kritik an der Minijob-Grenze 2022

Die geplante Änderung der Verdienstobergrenze stößt aber nicht nur auf positive Stimmen, sondern es gibt auch massive Kritik seitens der Gewerkschaften. So sprach Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes von einem riesigen Fehler diesbezüglich und auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisierte die Anhebung der Verdienstgrenze von 450 auf 520 Euro. Seiner Meinung nach bestehe die Gefahr dadurch, dass Minijobs immer mehr reguläre Arbeitsplätze verdrängen. So vorteilhaft Minijobs nämlich auf den ersten Blick aussehen und ein Verdienst ohne Steuerbezug natürlich verführerisch klingt, so machen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von ihrem Recht gebrauch, von dem Gehalt beispielsweise nicht in die Rentenkasse einzahlen zu müssen. Ebenso fließen keine Zahlung in die Arbeitslosenversicherung. Beides kann also im schlimmsten Fall zu weniger Sozialanspruch und weniger Rentenanspruch im Alter führen. Gerade für Teilzeitbeschäftigte ist aber Armut im Alter ein wichtiges Thema und solche Beschäftigungsformen forcieren das Ganze zusätzlich. So sieht es dann auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und kritisiert: “Geringfügig Beschäftigte brauchen im Ernstfall sozialen Schutz vor Arbeitslosigkeit und Anspruch auf Krankengeld. Auch für die eigene Rente bringen Minijobs nichts, daher muss für sie ausnahmslos die Rentenversicherungspflicht greifen und auch eingeführt werden.“ Der DGB will, dass hier die vollen Sozialversicherungsbeiträge dann durch den Arbeitgeber übernommen werden, sodass man eben die Beschäftigten nicht damit belastet. Auf kurze Sicht können sich aber erst einmal Millionen über einen höheren Mindestlohn freuen. Für die betroffenen Mini und Midijobber werden die höheren Einkommensgrenzen zumindest kurzfristig betrachtet etwas mehr Verdienst bedeuten und dadurch auch mehr Geld in der Tasche.

Top informiert über die aktuellsten HR Themen - Jetzt Newsletter abonnieren!

Noch mehr HR-Wissen

Ab dem 1.10. tritt die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung nach Erlass des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Kraft. Informieren Sie sich jetzt, was alles zu beachten ist, sodass Sie und Ihre Mitarbeitenden sorgenfrei in den Oktober rutschen können. Erfahren Sie außerdem, wie Ihre Mitarbeitenden von den Einschränkungen profitieren können. 

Aufgepasst: Neue Corona-Arbeitsschutzverordnung ab dem 01.10

Weiterlesen

Der Preisschock trifft nicht nur die Konsumentinnen und Konsumenten, auch Unternehmen haben mit den hohen Energiekosten zu kämpfen. Durch eine kluge Steueroptimierung mit Benefits lässt sich nicht nur der Nettolohn und damit die Kaufkraft der Mitarbeitenden erhöhen, auch das Unternehmen spart teure Lohn- und Nebenkosten.

Krisenfest durch die Inflation: Wie Sie Personal und Unternehmen schützen

Weiterlesen

Erneut werden Arbeitnehmer gestärkt. Am 22.09.2022 fällte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg ein weiteres Urteil, erneut gewannen die Kläger, erneut die Artbeinehmer. Bereits am 13.09.2022 folgte nach einem Urteil des EuGH ein Grundsatzurteil beim Bundesarbeitsgericht. Dieses Mal geht es nicht um die Arbeitszeiterfassung, sondern um Urlaubstage.

EuGH macht sich erneut stark für Arbeitnehmer

Weiterlesen